Psychotherapie als Kassenleistung


Indikation und Krankheitswert

Geht es um die Übernahme der Kosten einer Psychotherapie durch die gesetzliche Krankenversicherung, so spielt der „Krankheitswert“ eines psychischen Problems eine wichtige Rolle. Die gesetzlichen Krankenkassen sind nur dann verpflichtet, die Kosten für eine Psychotherapie zu übernehmen, wenn anhand bestimmter Kriterien des Internationalen Klassifikationssystems für Krankheiten (ICD) eindeutig eine psychische Störung diagnostiziert wird.

„Alltägliche“ Lebensprobleme, vorübergehende Krisen, die sich im täglichen Miteinander ergeben, Sorgen, die jemand sich macht, Erziehungsfragen, Konflikte am Arbeitsplatz oder Eheschwierigkeiten sind damit nicht notgedrungen „Probleme von Krankheitswert“. In der Praxis ist diese Abgrenzung aber oft weniger eindeutig, als sie sich anhört. Diese soll in den ersten 5 „probatorischen Sitzungen“ abgeklärt werden.

Zum einen ist es oft sinnvoller, psychotherapeutische Hilfe frühzeitig in Anspruch zu nehmen und nicht zu warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist. Andererseits erweisen sich psychische oder zwischenmenschliche Probleme manchmal als unangenehmer und hartnäckiger als zunächst geglaubt wurde. Beispiele dafür sind etwa körperliche Störungen ohne erkennbare Ursache, andauernde Erschöpfungszustände, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen, scheinbar grundlose Ängste, zermürbende Paar-Konflikte und sonstige Beziehungskonflikte.

Therapeutischer Nutzen

Die Hoffnung, dass psychische Störungen irgendwann von allein wieder verschwinden, ist meistens trügerisch. Viele problematische Entwicklungen ziehen sich durch Abwarten erst recht in die Länge und können schließlich für die Betroffenen unerträglich werden.

Dabei sind die Vorteile, die Psychotherapie gegenüber anderen Behandlungsmethoden oder gegenüber einer fehlenden Behandlung aufweist, inzwischen gut dokumentiert:

Alle bedeutenden psychischen Störungen können nachgewiesenermaßen wirksam psychotherapeutisch behandelt werden. Forschungsergebnisse zeigen, dass die ganz überwiegende Zahl der Patienten von einer Psychotherapie spürbar profitiert. Dabei liegen die entscheidenden Bedingungen für den Erfolg einer Psychotherapie nicht in erster Linie in der Wahl der richtigen Methode, sondern in der Motivation des Patienten, an seinen Problemen zu arbeiten, in der Persönlichkeit und Erfahrung des Therapeuten, aber vor allem: in einer tragfähigen Arbeitsbeziehung zwischen Patient und Therapeut.

Viele Formalitäten

Seit dem 01.01.1999 können Sie als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse direkt mit Ihrer Chipkarte zum Psychotherapeuten gehen, ohne vorher ärztlichen Rat einzuholen oder eine Genehmigung der Krankenkasse vorzulegen. Alle weiteren Formalitäten können dann über die Praxis abgewickelt werden.

Psychotherapie ist eine antragspflichtige Leistung. Ihre Bewilligung durch die Kasse und der Leistungsumfang sind an eine Reihe formaler und inhaltlicher Voraussetzungen geknüpft, die in den Psychotherapie-Vereinbarungen und -Richtlinien, einheitlich für alle gesetzlichen Kassen, festgelegt sind.

Die Krankenkasse übernimmt in jedem Fall die Kosten für das Erstgespräch und die therapievorbereitenden („probatorischen“) Schnupper-Sitzungen. Auch die Abrechnung des bewilligten Sitzungskontingents erfolgt über die Kassen bzw. Kassenärztlichen Vereinigungen. Zuzahlungen, bis auf die eventuell fällige Praxisgebühr, entstehen nicht.


Foto


Psychotherapeutische Praxis Ismaning Psychotherapeutische Praxis Ismaning